Plazenta

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Definition[Bearbeiten]

Die Plazenta ist in für die Ernährung und das Wachstum des Embryo und Fetus zuständiges Organ, das den Schutz des mütterlichen Körpers in den vorgeburtlichen Entwicklungsphasen gewährleistet. Die effektiven Strukturen der Plazenta ermöglichen einen kontrollierten Stoffaustausch zwischen mütterlichem und embryonalem Blut. Die dafür nötige epitheliale und bindegewebige Schranke (Chorionplatte und Zottensysteme) wird durch den Embryo gebildet. Der mütterliche Anteil besteht aus der Basalplatte und dem Blut zwischen den Plazentazotten.

Aufbau[Bearbeiten]

In der 13. Schwangerschaftswoche ist die Plazenta ausgereift. Sie ist ca. 2-3 cm dick, misst ca. 20 cm im Durchmesser und wiegt ca. 500 g.

Die Plazenta besteht aus

  • einer Chorionplatte, die zum Embryo hin (innen) mit Amnionepithel überdeckt ist
  • Zottensystemen, die zur mütterlichen Seite der Chorionplatte in den intervillösen Raum ragen
  • der mütterlichen Basalplatte jenseits des intervillösen Raums (mütterliche Seite).

Mikroskopie[Bearbeiten]

Chorionplatte[Bearbeiten]

  • innen einreihiges kubisches Amnionepithel, teils metaplastisches Plattenepithel
  • im Bindegewebe des Chorions finden sich große Gefäße (1) (Äste der Aa. Umbilicales und V. umbilicales)
  • außen (an der Grenze zum Zottenraum) befindet sich ein durchgehender Synzytiotrophoblast

Zottensystem[Bearbeiten]

  • von der Chorionplatte ausgehende 30-50 Stammzotten mit dicht gelagerten, verzweigten Intermediär- und Terminalzotten. Einige sind mit der Dezidua verbunden (Haftzotten). Eine Stammzotte mit ihren Verzweigungen wird Kotyledon genannt.
  • von der Basalplatte gehen Plazentasepten (1) aus, die die Plazenta in Plazentome einteilen. Sie erreichen nie die Chorionplatte, aber mindestens die Hälfte des intervillösen Raums. Das Zottensystem in einem Plazentom wird als Lappen bezeichnet.

Zottenstruktur[Bearbeiten]

Bis zum 4.Monat

  • oberflächliches zweischichtiges Epithel mit oben gelegenen durchgängigen Synzytiotrophoblasten und darunter gelegenen Zytotrophoblasten; diese sind mitotisch aktiv und verschmelzen zu einem einzigen Synzytiotrophoblasten
  • subepitheliales embryonales, zunächst faserarmes Gewebe, später viele Kollagenfasern. Im Gewebe finden sich Fibroblasten, Myofibroblasten, makrophagenähnliche Hofbauer-Zellen und Blutkapillaren, die im Verlauf größer werden
  • kindliche Erythrozyten sind noch kernhaltig

Ab dem 5.Monat

  • Zytotrophoblast bildet sich zurück
  • weite Kapillaren, die sich zur Oberfläche vorwölben; hier ist der Synzytiotrophoblast sehr dünn
  • die apoptotischen Kerne des Synzytiotrophoblasten sind pyknotisch, hyperchromatisch und zum Teil lokal konzentriert (Kernknospen) (1); diese werden abgestoßen und in der Lunge der Mutter phagozytiert

Basalplatte[Bearbeiten]

  • dreischichter Aufbau: Dezidua (1) (ehemaliges Stratum compactum des Endometriums), Stratum spongiosum (stark komprimiert) und Stratum basale
  • mit Zytotrophoblasten überdeckte Haftzotten an der Dezidua
  • Spiralarterien steigen von der Basalplatte in den intervillösen Raum auf
  • einzelne Lymphozyten und große, blass-eosinophile Deziduazellen und einige eingewanderte teils mehrkernige Zytotrophoblastzellen (X-Zellen) in der Basalblatte. Letztere finden sich auch in der Chorionplatte.

Plazentaschranke[Bearbeiten]

Die Plazentaschranke besteht aus folgenden Komponenten (vom mütterlichem zum kindlichen Kreislauf):

  • durchgehende Synzytiotrophoblastschicht
  • lokale Zytotrophoblastenzellen
  • Basallamina des Trophoblasten
  • faserarmes Bindegewebe der Zotten
  • Basallamina der Kapillarendothelien
  • Endothelzellen der Zottenkapillaren

Fibrinoidablagerungen[Bearbeiten]

Während der Schwangerschaft wird in der Plazenta zunehmend extrazelluläres Fibrinoid abgelagert, das aus Fibrin, Immunglobulinen, toten Trophoblastzellen und anderen Komponenten besteht. Man unterscheidet:

  • Langhans-Fibrinoid (Chorionplatte)
  • Rohr-Fibrinoid (1) (an der Oberfläche der Basalplatte und Zotten)
  • Nitabuch-Fibrinoid (in der Basalplatte, oberhalb des Stratum basale)

Fibrinoid-Typen:

  • Fibrintyp-Fibrinoid: entsteht an geschädigten Stellen des Synzytiotrophoblasten durch Gerinnung mütterlichen Blutes
  • Matrixtyp-Fibrinoid: entsteht durch Sezernierung von Trophoblastzellen, die von der Zottenoberfläche auswandern und enthält basallaminaähnliches Material der extrazellulären

Matrix

Endokrine Funktionen der Plazenta[Bearbeiten]

  • Choriongonadotropin (hCG): Es wird durch Synzytiotrophoblasten hergestellt, ist ein Glykoprotein, das LH ähnelt und die Progesteronsekretion des Corpus luteum stimuliert. Da es bereits eine Woche nach der Befruchtung im Blut nachweisbar ist, dient es dem Schwangerschaftsnachweis.
  • Progesteron: Es übernimmt die Funktion des Corpus luteum und ist für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft notwendig. Es hemmt bis zum Ende der Schwangerschaft die Kontraktion des Uterus.
  • Östrogen: Es wird in Trophoblasten hergestellt und hat Androgene aus der Nebennierenrinde zur zur Grundlage.
  • plazentares Laktogen (hPL) oder Somatomammotropin: Bereitstellung mütterlicher Glucose und Fettsäuren für den Fetus
  • Parathormon-verwandtes Protein (PTH-RP): transplazentarer Calciumtransport
  • Prostaglandine
  • Chorionthyrotropin

Literatur[Bearbeiten]

  • Welsch, Lehrbuch Histologie, 3. Auflage

virtuelle Slides[Bearbeiten]

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reife Plazenta, HE

Weblinks[Bearbeiten]