Adenom (Kolon)

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Definition und Klinik

Kolorektale Adenome (neoplastische Polypen) sind benigne Tumoren des Drüsenepithels (intraepitheliale Neoplasien), die durch eine Dysplasie unterschiedlichen Grades gekennzeichnet sind. Sie werden traditionell in drei verschiedene Typen unterteilt: tubulär, tubulo-villös und villös. Sie haben klinische Bedeutung, da sie fakultativ Präkanzerosen darstellen und in ein invasives Adenokarzinom übergehen können. Adenome treten häufiger im Dickdarm als im Dünndarm auf und sind häufig (20-25%) multipel. Blutungen sind selten und in der Regel gering ausgeprägt (okkultes Blut). Noch seltener sind Invaginationen oder eine ausgeprägte sekretorische Aktivität des Adenoms. Wegen des Entartungsrisikos (fakultative Präkanzerose) sollten kolorektale Adenome vollständig entfernt werden. Die Polypektomie als diagnostischer und therapeutischer Eingriff kann meistens endoskopisch erfolgen. Große oder breitbasige Adenome werden häufig zunächst nur biopsiert. Das Entartungsrisiko ist abhängig von der Größe und dem Typ des Adenoms sowie dem Grad der Dysplasie. Bei Nachweis eines invasiven Karzinoms im Adenom ist je nach histologischem Befund (Befall des Resektionsrands, Nachweis einer Gefäßinvasion, geringe oder siegelringzellige Differenzierung des Karzinoms) eine Darmresektion angezeigt.

Epidemiologie

Die Häufigkeit kolorektaler Adenome reicht bis zu 60%. Dabei liegt das Häufigkeitsmaximum im 6.-7. Lebensjahrzehnt. Tubuläre Adenome gehören mit bis zu 85% zur häufigsten, tubulovillöse mit bis zu 27% die zweithäufigsten und villöse Adenome mit bis zu 9% zur seltensten Gruppe.

Pathogenese

Die meisten Adenome treten sporadisch auf, selten entstehen sie im Rahmen eines Polypose-Syndroms (z.B. Adenomatöse Familiäre Polyposis). Die Ursache intraepithelialer Neoplasien bei Adenomen können durch genetische Veränderungen auftreten. Bei tubulären Adenomen treten häufig Mutationen in den Genen APC, KRAS und TP53 auf, während BRAF-Mutationen typisch bei Adenomen mit pseudopapillärer Architektur sind (serratierte Polypen). Adenome können sich zu Adenokarzinomen entwickeln, wobei die Häufigkeit mit der Größe des Adenoms zunimmt. Adenokarzinome entstehen häufiger aus villösen (bis zu 18%) als aus tubulovillösen (bis zu 8%) und tubulären Adenomen (bis zu 3%).

Makroskopie

Makroskopisch können Adenome in polypoide gestielte oder breitbasig aufsitzende und nicht-polypoide Adenome unterschieden werden. Obwohl tubuläre Adenome klassisch als gestielt beschrieben werden, können diese auch breitbasig (sessil) und villöse Adenome auch gestielt sein. Adenome sind meist dunkler oder rötlicher als die umgebende Mukosa. 91% der Adenome sind kleiner als 1cm.

Mikroskopie

Typen

Histologisch zeigen Adenome unabhängig von ihrem Typ eine Atypie des Epithels. Je nach Ausprägung wird zwischen Adenomen mit gering- oder hochgradiger Dysplasie (low- und high-grade intraepithelialer Neoplasie) unterschieden. Aufgrund des allgemeinen Wachstumsmusters erfolgt die Einteilung in drei verschiedene Adenomtypen:

  • Tubuläre Adenome bestehen aus verzweigten Tubuli und wachsen häufig gestielt, seltener breitbasig. Die Tubuli werden untereinander durch eine normale Lamina propria getrennt.
  • Villöse Adenome zeigen fingartige Auswüchse, die rechtwinklig von der Lamina muscularis mucosae zum Lumen projizieren.
  • Tubulovillöse Adenome weisen eine tubuläre und eine villöse Architektur auf.

Kriterien

  • Adenome können Foki von Paneth-Zell-Metaplasie, melanozytäre Metaplasie und Plattenepithelmetaplasie enthalten

Low-grade intraepitheliale Neoplasie

  • vergrößerte, elongierte, hyperchromatische Kerne, die im Epithel eng beieinander liegen
  • Mucin-Bildung kann auftreten; vereinzelt Becherzellen oder kleinere apikale Vakuolen

High-grade intraepitheliale Neoplasie (ehem. In-Situ Karzinom)

  • Architekturstörung: gestauchte Krypten, cribriforme (Drüsen-in-Drüsen) Strukturen
  • vergrößerte, hyperchromatische oder vesikuläre Kerne mit prominenten Nukleoli
  • Kerne erreichen die luminale Grenze der Zelle
  • prominente mitotische Figuren
  • eventuell Nekroseareale
  • Mucin-Produktion ist reduziert oder fehlt


Literaturangaben

  • Böcker, Pathologie, 4.Auflage
  • Stacey E. Mills, Sternberg's Diagnostic Surgical Pathology, Fifth Edition

Virtuelle Präparate

M105.jpg
Stielgedrehter haemorrhagisch infarzierter Darmpolyp
Low grade intraepitheliale Neoplasie Dickdarm tubulaeres Adenom 30343 10 HE ico.jpg
tubuläres Adenom mit low-grade intraepithelialer Neoplasie, HE

Weblinks